Glücksprogramm für Beziehungen

Zur Konstruktion unseres sozialen Gehirns:

Die Gehirnforschung der letzten Jahrzehnte hat einige revolutionäre Erkenntnisse gefördert. Einige stammen aus einem Teilgebiet: der Erforschung unseres sozialen Gehirns. 

 

Wir gestalten unsere Kontakte und Beziehungen über unser Sprechen und benutzen dazu u. a. die Stimme (mit Kehlkopf, Stimmbändern und Atmung), die Gesichtsmimik (mit all den Ausdrücken von Sympathie bis Abrenzung) und die Körpersprache. Alle diese Teilaspekte werden von spezialisierten Netzwerken unseres "sozialen" Gehirns gesteuert.


Unser menschliches Gehirn ist dazu, wie ich nun im folgenden skizziere, in einer bestimmten Weise konstruiert.

 

Oberflächen-Aspekte unseres Sozialverhaltens:

Wir lernen unser Sozialverhalten in Kontakten und Beziehungen. Die frühesten davon sind die zu unseren Hauptbezugspersonen in der Kindheit. Diese sind Modell für die Prägung unser sozialen Fertigkeiten. 

Dabei betreffen die Fähigkeiten des Sprechens, des Ausdrückens von Sympathie oder von Abgrenzung oder ähnliches eine relativ oberflächliche Dimension unseres sozialen Gehirns. 

Tiefendimensionen unseres sozialen Gehirns:

Das Mädchen hat eine Blume entdeckt und zeigt sie ganz spontan und stolz ihrem Vater. Dieser ist erfreut über die Entdeckung seiner Tochter und zeigt dies in Stimme und Körpergestik. Im Mädchen wird die Erfahrung von "Entdecken", von "Zeigen" und von "Freude" bestärkt, was sich ganz konkret im Gehirn niederschlägt. Je öfter ein kleines Kind solche Erfahrungen macht, umso kompetenter wird es darin.

In der rechten Illustration versucht das Mädchen ebenfalls seine Entdeckung freudig zu teilen, findet aber keine Resonanz im Erwachsenen. Die Erfahrung von "Entdecken", von "Zeigen" und von "Freude" findet von außen kaum Resonanz. Das Mädchen hält sich möglicherweise zukünftig zurück. Es wird kompetent im Sich-Dämpfen.

Der Rauchmelder: Das Zünglein an der Waage: 

Es gibt ein Gehirn-Areal, das überwacht alle Erfahrungen wie ein Feuer- oder Rauchmelder. Im linken Bild wird die angenehme und bestärkende Erfahrung des Mädchens dargestellt. Der Feuermelder springt nicht an.

Im rechten Bild schaltet er sich an. Da er über weitreichende Vernetzungen mit anderen Gehirnarealen verschaltet ist, wirkt sich die Alarmierung auch auf Körperorgane und in den Gefühlen aus.

 

Dieser Feuermelder überprüft alle Informationen vom Inneren oder von Außen unter der Frage "Ist das gefährlich oder sicher?" 

Der Rauchmelder initiiert Kampf/Flucht/Erstarrung:

Der Rauchmelder ist ein Erbe der Reptilien. Er gehört zur wichtigsten Hardware unseres Gehirns. Wenn er angeschaltet ist, veranlasst er die ganze Hardware des restlichen Körpers, auf die vermutete Gefahr zu reagieren: das Herz schlägt schneller, die Atemfrequenz erhöht sich, das Blut wird aus dem Magen-Darm-Trakt abgezogen und in die Muskulatur von Armen und Beinen verlegt. Wir sind dann bereit zu kämpfen oder zu flüchten. Ist die Gefahr nicht nur gefährlich, sondern lebensbedrohlich, dann sorgt der Rauchmelder auf der Ebene der neurologischen Urzeit-Programme für die Aktualisierung des Todstell-Reflexes bzw. der Erstarrung. Auf der emotionalen Ebene empfinden wir dann möglicherweise Wut, Ärger oder Angst oder Hilflosigkeit.

Der Rauchmelder als entscheidendes Element unseres sozialen Gehirns:

Wir haben den Rauchmelder als ehemals zentrales Modul des Reptilien-Gehirns auch in unserem Gehirn. Er spielt in allen Kontakten und Beziehungen seine überwachende Rolle und überprüft an anderen Menschen

  • Körper-Bewegungen,
  • Gestik,
  • Stimmqualität, 
  • Mimik (einschließlich Augenausdruck) und 
  • emotionale Tönung.

Das Gedächtnis als entscheidendes Element unseres sozialen Gehirns:







Alle unsere (sozialen) Erfahrungen sind im Gehirn bespeichert. Auch die, an die wir uns nicht erinnern. Und die sind besonders bedeutsam.




In unseren Kontakten und Beziehungen geschieht ein ständiger Scan-Prozess:


Der Rauchmelder vergleicht die aktuellen Begegnungen mit den Daten aus dem bewussten und unbewussten Gedächtnis-Speicher.

Die Stressbremse als entscheidendes Element unseres sozialen Gehirns:

Reptilien sind sofort in Kampf oder Flucht gegangen bei verdächtigen Objekten. Tiere (wie Hunde) tun das heute noch. Wir Menschen haben prinzipiell die Möglichkeit, darüber bewusster zu entscheiden. Wir können den Kampf- oder Flucht-Automatismus bremsen.


Aber: dazu sind wir nur in der Lage, wenn wir in unserer Kindheit klare und sichere Beziehungen erlebt haben


Dass unser Gehirn auf einer neurologischen Ebene die Stressbremse ausbildet, hängt mit den sozialen und emotionalen Erfahrungen in der Kindheit zusammen.

Reaktions-Schnelligkeit und -Power auf verdächtige "Objekte":

Das ständig präsente Radar schaltet superschnell den Rauchmelder an, wenn Aspekte an Menschen als verdächtig oder sogar gefährlich eingestuft werden. Die unbewusste Reaktion auf verdächtige "Objekte" ist über 25mal schneller als die bewusste Reflexion. Unser bewusster Processor verarbeitet 40 Reize pro Sekunde, unser Unbewusstes 20 Millionen!


Und die hinter den Überlebenssicherungsprogrammen Kampf, Flucht, Erstarrung stehende Energie ist die stärkste, die wir zur Verfügung haben! Während wir im Alltagsverhalten die Kraft eines normalen Pkws benutzen, wird unser Körper in diesen instinkthaften archaischen Programmen zu einer Weltraumrakete. 

Stärkende Aspekte unseres sozialen Gehirns:

Wenn die bisher genannten Bedingungen (Interpretation sozialer Reize als gefährlich, Anschalten des Rauchmelders, Stress im Körper, Symptome, etc.) nicht eintreten; wenn hingegen Empathie praktiziert, soziale Unterstützung gepflegt und wahrhaftige Nähe gelebt wird, dann zeigen empirische Untersuchungen folgende Effekte:

  • im Gehirn werden Nervenbotenstoffe produziert, die für eine höhere Vernetzung der Nervenzellen sorgen,
  • das Immunsystem arbeitet besser,
  • schwere Krankheiten heilen schneller,
  • Traumata werden leichter bewältigt,
  • die psychische Widerstandskraft (Resilienz) wächst,
  • Reibungsverluste werden weniger und
  • die kollektive Problemlösefähigkeit und Kreativität steigen.

Aktivierung der selbst-zerstörerischen Aspekte unseres (sozialen) Gehirns durch:

Kern-Leitsätze für einzelne Menschen:

  • nicht nach seinen Bedürfnissen leben, 
  • nicht seinen Wünschen, Sehnsüchten, Zielen, Visionen, Sinnentwürfen nachgehen
  • nicht seiner eigenen Geschwindigkeit nachzugehen

 

Kern-Leitsätze für unser kollektives Leben:

  • zu große Diskrepanzen zwischen individuellen Vorstellungen und von außen geforderten Maximen


Spannungen in Beziehungen, Missverständnisse in Kontakten, Meinungsverschiedenheit, etc. gelten in privaten Beziehungen als normal. In Organisationen werden sie unter "Reibungsverlusten" verbucht. Dauern sie lange an und nehmen in der Summe zu, 

  • ist der Rauchmelder dysfunktional zu lange aktiv,
  • werden unsere inneren Organe (über-)beansprucht,
  • was zu körperlichen Symptomen und Krankheiten führen kann.

 

Bedingungen für florierende Beziehungen:

Kontakte und Beziehungen als Lupe und Spiegel:

Darum sind andere Menschen so eminent wichtig! Indem ich mich an und mit anderen erfahre, kann ich meinen Prägungen auf die Spur kommen und erkenne mich. Das ist ein erster Schritt heraus aus dem unbewussten Re-Agieren.

Das ist Voraussetzung für bewusstes Gestalten und damit für Erfolg und Glück.

Kontakte und Beziehungen als soziale Räume der Ganzwerdung:

Psycho-soziale Prägungen bedürfen für ihre Veränderung Kontakte und Beziehungen. Wir brauchen dazu Menschen. Alleine gelingt die Transformation nicht. Indem z. B. jemand, der eher die Erfahrung zur Illustration rechts gemacht hat, sich mit den Qualitäten der linken Illustration experimentiert, verändert er/sie die inneren Grenzen von Freude und Glück.    

Verletzlichkeit ist Stärke - Kraft in Berührbarkeit:

Einige der sensibelsten Punkte sind Berührbarkeit und Verletzlichkeit. Für heilsame und damit transformierende Erfahrungen braucht es, dass sich die Beteiligten verletzlich und berührbar zeigen. Das darf nicht mit grundsätzlicher Schwäche verwechselt werden. Ich kann mich schwach zeigen, was aber nicht impliziert, immer in der Schwäche zu sein. Im Gegenteil: Wenn ich feinspürig bin, dann habe ich innerhalb der ganzen Gefühlspalette auch Zugang zu Traurigkeit und Schmerz. Dann brauche ich keine Gefühlsnuancen abzuspalten. Und dann bin ich flexibel kraftvoll. Dann bin ich wach und konstruktiv.


Bedürfnisse:

Bedürfnisse sind Kräfte, die uns von den ersten bis zu den letzten Sekunden ausmachen. Bedürfnisse zeigen sich als Wünsche und Verlangen, etwas Mangelndes aufzufüllen (Bedürfnis nach Nahrung, nach Wasser). Darin scheint mir der Aspekt des Nehmens hervor zu treten. Bedürfnisse können aber auch eine Geben-Qualität haben (Bedürfnis, ein sehr gutes Produkt zu liefern). In ihnen wird menschliche Verbundenheit möglich. Ohne sie entsteht kaum oder keine Nähe und damit auch kein Ganzwerden. 

Das Modell der sozialen Bedürfnisse in Anlehnung an Veit Lindau. In folgenden Bedürfnissen wird die Potential-Qualität deutlich: Dominanz (als Bedürfnis, sich durchzusetzen), Bedeutsamkeit (als Bedürfnis, für andere Menschen einen bedeutsamen Unterschied zu bewirken) und Transzendenz (als Bedürfnis, über sich selbst hinaus zu gehen bzw. für etwas Übergeordnetes zu leben).


Werkzeuge für inspirierende und glückliche Beziehungen:

  1. Das Wissen, dass wir als Menschen alle die gleichen Bedürfnisse haben, aber unterschiedliche Strategien benutzen, um sie zu erfüllen.
  2. Austausch über die jeweiligen Bedürfnisse in den Mittelpunkt von Kommunikationen stellen.
  3. In Kommunikations-Situationen von den "Lupen"- und "Spiegel"-Erfahrungen in der Ich-Form sprechen.
  4. Den eindeutigen Schwerpunkt für interpersonelle Wahrnehmung legen auf Körper-Empfindungen und emotionale Signale der Echtzeit-Situation. Gedanken, Deutungen und Wertungen haben meist weniger Bezug zur Echtzeit-Situation.
  5. Austausch über Bedürfnisse, Lupen- und Spiegel-Erfahrungen so lange praktizieren, bis effektiv Verletzlichkeit und Berührtheit von den Beteiligten gefühlt wird.
  6. Jeweils zu Beginn und am Ende von wichtigen Besprechungen, Sitzungen oder Team-Meetings: ein Wertschätzungs- und Abgrenzungs-Ritual.

Diplom-Psychologe, Coach, Gesundheits-Trainer, Dipl.-Ernährungs- & Gesundheitstherapeut

Michael Pilliger

Tel.: 0173/77 464 90

 

Profis mit denen ich herzlich verbunden bin und die ich empfehle:

 

Anja Harmes: Feng Shui - Geomantie - Geistiges Heilen